Rabenschwarz inmitten bunter Kostüme

Die grosse Attraktion des Sechseläutenumzuges sind gewiss die Kostüme der Gesellschaft zur Constaffel wie auch der Zünfte samt allen Requisiten, Wagen und Reitergruppen. Dabei vergessen wir leicht, dass im 19. Jahrhundert die Kostüme keineswegs festgelegt waren, sondern von Jahr zu Jahr wechselten. Ein jeweils für ein Jahr festgelegtes Thema gab die Richtschnur für die mehr oder weniger phantasievolle Kostümierung. Man kann - leicht übertrieben - sogar behaupten, diese archaischen Sechseläutenumzüge hätten geradezu fasnächtlichen Charakter aufgewiesen. Erst als der Sechseläutenumzug allmählich zu einer ernsthaften Tradition geworden ist, fixierte sich die Kostümierung zum unverwechselbaren Erscheinungsbild jeder Zunft, bei den historischen Zünften natürlich berufsbezogen, bei den Quartierzünften auf die Geschichte der ehemaligen Gemeinden abgestützt.
Ritter Jakob Müllner

 

Die Zunft zu Wiedikon gehörte keineswegs zu den Pionieren der Kostümierung. Bis zum Sechseläuten 1957 zeigten sich die Zünfter im schwarzen Anzug mit Zunfthut, lediglich die Reiter sowie die Kindergruppe erschienen kostümiert, wobei die Kostüme von einem Kostümverleih bezogen wurden. Immer wieder amüsierten sich Sprecher auf der Wiediker Stube darüber, dass die Wiediker "wie ein Leichenzug" aufträten. Das tat natürlich weh. Eine zunehmende Zahl von Zünftern begann, auf eine einheitliche Kostümierung zu drängen.
Ritter Rudolf Müllner der Jüngere